Der Weg nach Leipzig

Es wird langsam dunkel draußen, mir ist ziemlich warm als ich aus dem InterCity steige. Meinen schweren Koffer in der Hand. Der große goldumwickelte Stock, den ich für meine eine Nummer mit dabei habe, ragt ungelenk aus der einen Kofferecke heraus. auch wenn ich sie nicht bemerke, bin ich mir sicher, dass ich etliche komische Blicke für mein Accesoire ernte. So ganz egal, wie ich es gerne hätte ist es mir dann aber leider doch nicht.

Ich würde mir andere Blicke wünschen. Blicke die mich mehr bewundern und nicht diese bemitleidenden. Die Passanten wissen einfach nicht, dass gerade an ihnen einer der großen Musicalstars von morgen vorbei geht! - Auch wenn ich mir meine Chancen für das morgige Vorsingen als nicht so groß ausmale. Mein eingewachsener Fußnagel wird mir mit Sicherheit keine große Hilfe sein, erst recht nicht beim Tanzen. Aber da ich nunmal die Aufnahmeprüfungsgebühr bereits überwiesen habe, gibt es nun auch kein Zurück mehr. Ich werde morgen die Prüfung machen und dann Abends so schnell es geht zurück fahren um in "Arseen und Spitzenhäubchen" meine klein Statistenrolle zu übernehmen.

Ich bin zwar lange bei meiner Freundin gewesen heute und ich habe die Zeit auch sehr genossen, aber dennoch hätte ich Bock auf Sex und da ich durch den Statisteriejob momentan über ein wenig Geld verfüge wähle ich nicht den Haupteingang sondern schländere durch einen vermeintlichen Nebenausgang des Hauptbahnhofes nach draußen. Ich bin innerlich sehr aufgeregt und kann nicht so recht einordnen ob es nun daran liegt, dass sich eventuell morgen mein Leben verändern wird, oder an meinem möglichen Puffbesuch. Wegen irgend etwas muss sich diese fahrt für mich auf jeden Fall lohnen. Verdient hätte ich es!

Ungefähr einhundert Meter von mir entfernt sehe ich eine rötliche Reklame an einem Haus. Ich habe meine Brille nicht mit dabei und so schlendere ich einfach darauf los, in der Hoffnung ein gewisses Etablissement dort vorzufinden. Aber schon bald erkenne ich, dass es sich wohl doch um ein gewöhnliches Hotel handlet. Auf der angebrachten Preistafel finde ich mich nicht schnell genug zurecht, als mich plötzlcih ein Mann von der Seite anspricht. Er scheint zum Hotel zu gehören, den er bietet mir eine Übernachtung dort an für gerade mal 46Euro, inklusive Frühstück.

Ich wollte mir ja was gönnen... Dann wird es heute halt mal kein Sex mit einer Prostituierten, sondern ein teures Hotel. Auch keine Jugendherberge wie in München. Ich checke ein und bestelle mir für den Morgen noch einen Weckdienst. Um Neun soll ich am Diettrichring 21 sein. Noch schnell ein Telefonat mit meinen Eltern und meiner Freundin, dass ich gut angekommen bin und dann gehe ich nachdem ich mir noch einen runtergeholt habe ins Bett. Ich bin immer noch aufgeregt. Es liegt also doch am Vorsingen.

Es muss doch einfach klappen... 

16.7.08 15:37

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